Morel Supremo Special Edition – High-End Lautsprecherbau par excellence
Eine Schachtel Glück
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Mit der Supremo 63 Special Edition bietet Morel seine Referenzlautsprecher jetzt als aktives Dreiwegesystem an. Eine hoch spannende Kostbarkeit, die wir uns nicht entgehen lassen.
Nachdem er aus der samtenen Schutzhülle herausgeglitten ist, steht er vor mir. Ein schwarz hochglänzender Koffer mit kleinem Morel-Logo und der Aufschrift Supremo Special Edition. Nach Entriegeln per Knopfdruck hebt sich der Deckel, und ganz langsam offenbaren sich drei Pärchen Lautsprecher, so schön, wie ich es selten gesehen habe. Zwei Hochtöner, zwei Mitteltöner und zwei Woofer sind auf einer gebürsteten Aluplatte montiert, eigens dafür gefertigte Rändelschrauben halten die edlen Chassis sicher in Position. Im Deckel des Koffers das gleiche Spiel: Aluplatte, von Rändelschrauben gehalten und dahinter der Satz passender Schutzgitter – ein noch wertigerer Auftritt ist kaum vorstellbar.
Ok, das Ganze kostet ja auch nur schlappe 10.000 Euro, da kann man schon einen solchen Auftritt hinlegen. Die Supremo SE Chassis sind aber auch extrem begehrenswert, vielleicht die hübschesten Lautsprecher auf diesem Planeten. Außerdem ein Dreiwegesystem, so etwas gibt es nur bei der SE. Und eine passive Frequenzweiche wie bei den bekannten Kits braucht bei diesem System wirklich niemand mehr im DSP Zeitalter. Klar ist die Morel Handschrift sofort zu erkennen, der 16er Tieftöner und auch das Mitteltonschmuckstück signalisieren durch die Form der Membranen, dass bei Morel eine besondere Art der Lautsprecherkonstruktion vorherrscht, gerade, wenn es um die Top-Linie Supremo geht. Die Membranen bestehen aus einem sündhaft teuren Sandwich aus einem Rohacell Kern, eingefasst von Carbonfasermatten. Während die äußere Schicht glashart ist, sorgt der Schaumkern mit seinen Lufteinschlüssen für ein hohes Maß an innerer Dämpfung, das verhilft der Membran zu einer partialschwingungsfreien „kolbenförmigen“ Bewegung über einen sehr breitbandigen Arbeitsbereich. Die bei einem schwingungsfähigen System unweigerlich auftretenden Resonanzen werden zu hohen Frequenzen verschoben und vom Schaumkern zum großen Teil in Wärme umgewandelt. Nebenbei ergibt sich durch die vorne groben Carbonfasern ein besonders edler Look. Die Antriebe der Supremos haben gleich mehrere Spezialitäten, so kommen extrem große Schwingspulendurchmesser mit innen liegenden Neodymmagneten zum Einsatz. Damit die Riesenspulen nicht übermäßig schwer werden, sind die Antriebe unterhängig ausgeführt. Normalerweise ist die Polplatte weniger dick als die Wickelhöhe der Spule, so dass die Spule immer über die Platte hinausschaut. Damit befinden sich immer Teile der Spule im nichtlinearen Bereich des Magnetfelds. Die Lösung ist ein kürzerer Spulenwi-ckel mit einer sehr dicken Polplatte, so bleibt die Spule auch bei maximaler Auslenkung immer vollständig im Luftspalt, wo das Magnetfeld halbwegs linear ist. Natürlich ist dies sehr aufwendig, schließlich braucht man eine gewisse Menge Draht(länge), um die Antriebskraft zu realisieren, die große Oberfläche hilft dabei bei der Kühlung. Der Aluträ-ger misst beim 16er Woofer volle drei Zoll bzw. 76 Millimeter, beim Mitteltöner immer noch zwei Zoll bzw. 50 Millimeter, was wohl Rekord bei einem Töner mit 3,5 Zoll Nenndurchmesser sein dürfte. Fertigungstechnisch knifflig ist die Verbindung zur Membran, die inklusive Dustcap aus einem Teil laminiert und gebacken ist, aber das sollte Morel nach jahrzehntelanger Erfahrung mittlerweile können. Einen Hochtöner gibt es natürlich auch, und auch der ist typisch Morel, was bereits durch die von außen sichtbaren Zuleitungslitzen zu ersehen ist. Die Schallabstrahlung erfolgt über eine 28 Millimeter Kalotte aus Acuflex Gewebe, das so designt wurde, das es sich bei hohen Frequenzen kontrolliert verformt (accurate flexing) und so Auslöschungen durch gegenphasige Schwingungen der Kalotte verhindern soll. Etwas exklusiver ist wieder die Morel Spezialität des Schwingspulendrahts mit sechseckigem Querschnitt. Das ermöglicht, im Gegensatz zu Runddraht einen Spulenwickel, der vollständig ausgefüllt ist, ohne Luft zwischen den Drähten. Das ist vorteilhaft bei der Füllung des Luftspalts und nutzt das Magnetfeld optimal aus. Natürlich – man ahnt es – ist das wieder einmal aufwendig und teuer. Weiter hat der Supremo SE Hochtöner standesgemäß ein Koppelvolumen mitbekommen, so dass wir hier einmal mehr die klassische High-End Kombination aus großer Kalotte und Koppelvolumen vor uns haben.
Messungen und Sound
Das Volumen im Rücken beschert der Kalotte eine Resonanzfrequenz von niedrigen 770 Hz, so das der Tweeter unterhalb von 2 kHz eingesetzt werden könnte.
Riesige Schwingspulen mit innen liegenden Magneten
Obenraus läuft er bis 30 kHz, mehr kann man von einer 28er Kalotte nicht verlangen. Verzerrungen gibt es sehr wenige, sogar unter 2 kHz messen wir fast nichts – und das ohne Weiche. Sorgfältig beschaltet ist diese Hochtöner supertief einsetzbar, ohne dass es unsauber wird. Doch dank des Mitteltöner muss der Hochtöner ja nicht tief spielen, der schicke Mitteltonkonus spielt seinerseits locker bis über 4 kHz. Untenrum sieht es sogar noch besser aus als beim Hochtöner, der Mitteltöner klirrt fast überhaupt nicht und spielt ohne Weiche bis 300 Hz, mit Hochpass sind 200 Hz locker drin, was auch die Freiluftresonanz von 100 Hz andeutet. Und beim Tieftöner erleben wir keine Überraschung. Er läuft in seinem Arbeitsbereich mindestens genauso perfekt wie der Mitteltöner, die Klirrkurven kleben an der Nulllinie, teilweise weit unter 0,5 %. Die Morel Chassis sind nicht nur teuer, sie sind auch verdammt nah an der Perfektion. Das zeigt sich auch klanglich, wenn das System mit unglaublicher Feinauflösung und Liebe zum Detail loslegt. Die Musik steht plastisch vor dem Zuhörer und wird greifbar. Wenn die Sängerin loslegt, besteht kein Zweifel, dass sie wirklich vor einem steht, erst wenn man die Augen öffnet, wird der Trug offensichtlich. Bei Dynamikattacken drückt die Supremo SE den Zuhörer förmlich in den Sessel, nicht einmal mit schierem Pegel, sondern mit der Authentizität der Wiedergabe, die einfach mitreißt. Klar haben wir auch Basspegel, und zwar sogar recht ordentlich viel, doch was wieder mehr beeindruckt, ist die Direktheit, diese Stimmigkeit, die man so nicht oft hört.
Fazit
Mit der Supremo SE liefert Morel ein Lautsprechersystem ab, in Design, Engineering, Messtechnik und Klangperformance keinen Vergleich zu scheuen braucht. Ganz sicher ein Jahreshighlight, wenn nicht eins für die Ewigkeit.
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