Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Stieb Audio Patos


Die große Reduktion

Lautsprecher Stereo Stieb Audio Patos im Test, Bild 1
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Man nehme einen Breitbänder, ein Gehäuse und lasse im Grunde alles weitere weg. Heraus kommt wahrscheinlich ein Lautsprecher, der nicht besonders gut klingt. Es sei denn, man weiß, was man tut.

Lautsprecher Stereo Stieb Audio Patos im Test, Bild 4
Mit knapp einem Meter Höhe und ist die Box nicht aufdringlich groß
Die Homepage von Stieb Audio verspricht eine interessante Erfahrung: „Schwelgen Sie in einem Sound-Erlebnis, das meditativ und anregend zugleich ist und eine mitreißende Intensität vermittelt.“ Meditativ und anregend zugleich, das ist wohl etwas, das nur wenigen Komponenten gleichzeitig gelingt. Aber es beschreibt die Sache ganz gut.
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Vielleicht hatten Sie ja auf einer HiFi-Messe die Gelegenheit, eine Stieb-Box zu hören und wissen, wovon ich schreibe.


Anfänge


2014 hat der Elektrotechniker Thomas Stieb angefangen, Lautsprecher zu entwickeln, auf der Suche nach einem Modell, dass seinen Ansprüchen an Authentizität und Auflösung gerecht wird. 2019 kam der Klavierbauer und Tontechniker Martin Dembach ins Spiel, der nicht nur denselben Anspruch hatte, sondern ebenfalls ein geschultes Ohr, und der dabei half, den Lautsprecher zu optimieren. Das Klangziel war klar umrissen: Emotion, Emotion, Emotion. Die Musik sollte den Hörer berühren, mitreißen. Abgestimmt nur mit den Ohren, ohne Fokus auf Messtechnik.Eine weitere, klangentscheidende Idee steckte hinter dem Projekt: Ein Breitbänder sollte die Musik wiedergeben, also eine Punktschallquelle, ohne Frequenzweiche, Schalter und andere Bauteile im Signalweg! Ein heikles Unterfangen. Beim Gehäuse entschied sich Stieb für ein Horn, in das er Leisten anbringt. Diese (wie viele, an welcher Stelle) stellen einen Weg zum Klangtuning dar (ebenso der austauschbare Phaseplug). Auf diese Weise kann er den Lautsprecher im Bass an den Raum anpassen. Bei Bedarf kann Stieb auch direkt am Chassis noch Änderungen vornehmen, was aber selten nötig ist. Nach Jahren der Entwicklung entstanden so drei Modelle, das mittlere stelle ich hier vor. Die Anschaffung ist aber erstmal nicht ganz billig: Das Testmodell Patos kostet pro Paar 18.600 Euro. Die Kompaktbox Pikulo 13.500 Euro und das größte Modell, die Naggusi, 22.800 Euro. Da tröstet es vielleicht ein wenig, dass sich der Preis inklusive einer Anpassung des Lautsprechers an den Hörraum versteht. Das läuft so ab: Herr Stieb kommt mit einem Testmuster zu Ihnen zum Hören. Sie besprechen Ihre klanglichen/musikalischen Vorlieben und Vorstellungen mit ihm. Bei Bedarf berät Herr Stieb Sie auch in Sachen „passende Elektronik“. Anschließend nimmt er den Lautsprecher wieder mit und fertig einen „angepassten“ für Sie an. Das dauert sechs bis acht Wochen. Dann wird der Lautsprecher geliefert und aufgestellt. Und dann spielt er in Ihrem Hörraum ideal. Diese Anpassung ist optional. Man kann ein Paar „ab Werk“ kaufen, dann spart man knapp 1.000 Euro. Ich würde das aber nicht empfehlen, da die Anpassung in den meisten Hörräumen sinnvoll sein wird. Und ich denke, wer sich in diesen Preisregionen bewegt, für den kommt es auf 1.000 Euro mehr oder weniger nicht an. Und man bekommt dadurch ein echtes Unikat. Bei uns haben wir auf eine Anpassung verzichtet. Auch auf eine bestimmte Lackierung (die Boxen von Stieb Audio kann man ohne Aufpreis in jeder RAL-Farbe bestellen, Hochglanz-Lack kostet Aufpreis).


Die Chassis


Der Breitbänder besteht aus einer Mischung aus Papier und Kokosfaser. Wie erwähnt, gibt es keine Frequenzweiche, und genau genommen braucht ein einzelnes Chassis die auch nicht, denn es gilt hier ja nicht, Frequenzen bestimmten Chassis zuzuordnen. Es gibt aber auch keine Filter oder Ähnliches. Die 17cm-Breitbänder werden also ohne Umwege direkt von den Endstufen des Verstärkers angesteuert. Die Sicke des Treibers ist mehrfach gefaltet und trägt noch einen Schwirrkonus, der eine Art zusätzlicher Hochtöner ist. Der Phaseplug ist aus Holz, auch er kann auf Wunsch lackiert werden. Mir gefällt er naturbelassen sehr gut, er harmoniert auch schön mit dem Breitbänder. Auch er ist austauschbar, schließlich beeinflusst er die Hochtonabstrahlung und ist damit ein „Tuningteil“.

Das Horn


Die Gehäuseform wurde ausschließlich mit den Ohren ermittelt, der Lautsprecher wurde noch nie gemessen, zum ersten Mal bei uns im Messraum. Stieb verzichtet auf Bedämpfungsmaterial im Inneren. Allein seine Beleistung, also das Anbringen von Leisten im Inneren, sorgt für Ruhe. Dazu lässt er die Gehäuse mit einer offenen Seite fertigen. So kann er den Treiber einbauen und hat bequemen Zugriff zum Hornkanal. Dieser wird dann „gestimmt“, so dass er zum Hörraum passt. Dies geschieht in erster Linie ebenfalls über das Anbringen von Leisten an klangentscheidenden Stellen. Man kann sich das Vorstellen wie das Stimmen eines Musikinstruments. Durch seine Eingriffe kann Stieb das Horn verlängern oder verkürzen, die Druckkammer vergrößern oder verkleinern. Das ist sehr zeitaufwendig und setzt Erfahrung voraus, so wie eine genaue Vorstellung davon, was man denn will. Ist die Abstimmung abgeschlossen, kommt die Box wieder zum Schreiner, der die verbleibende Seite einbaut, und dann zum Lackierer. Und irgendwann dann in den Hörraum.

Hörtest


Und da hört man recht schnell, dass hier keine Bauteile im Signalweg liegen, denn diese Klarheit und diese Energie bekommt man sonst nur selten zu hören. Die Patos zeigt einem sehr genau, wie gut oder schlecht eine Aufnahme klingt, und nicht alles macht mit ihr Freude. Das ist mehr oder weniger immer so, wenn eine Box sehr gut auflöst. Und auch wenn ganz oben ein bisschen was fehlt, transportiert der Lautsprecher sehr viele Details und schafft, wenn es die Aufnahme hergibt, wirklich schöne, plastische, faszinierende Räume, die man in dieser Ausprägung nur selten erlebt. Es ist schon erstaunlich, wie man manchmal das Gefühl hat, die Musiker spielten live, man wäre im Konzertsaal oder im Studio dabei. Das klappt am besten mit gut produzierter Musik, aber letztendlich profitiert jede Aufnahme von dieser Fähigkeit des Lautsprechers, eine akustische Illusion in den Raum zu stellen.  Was hier sicherlich eine Art Alleinstellungsmerkmal ist, ist der gleichzeitig energetische und unaufgeregte Klang – sofern man keine Partypegel abruft. Dadurch wirkt die Box mühelos und unangestrengt, ohne auch nur ansatzweise langweilig oder unbeteiligt zu wirken. Vergleichbar mit einem sehr kräftigen Verstärker, der einfach locker die Muskeln spielen lassen kann. „Lotus Blossom“ von Kenny Dorhams Album „Quiet Kenny“ war einfach verführerisch, wirkte sehr natürlich und gefühlvoll. Selbst feine Details legte der Breitbänder klar offen. Eine Freude! Das Counting-Crows-Stück „Hanginaround“, das je nach Kette nicht immer ein Genuss ist, klang viel besser als erwartet, bis hin zu hohen Pegeln. Die Patos arbeitete Gitarrendetails sehr schön heraus und bot einen zwar schlanken, aber wunderbar durchhörbaren Bassbereich (unser Hörraum ist 62 qm groß). Das galt auch für AC/DCs „Ride On“, das hier besonders mitreißend und, ja, emotional rüberkam. Metal und Rock können aber auch weniger gut klingen, so etwa im Falle von „Aeroplane“ von den Red Hot Chili Peppers. Das plärrte ein wenig, ein gutes Beispiel dafür, dass nicht ideale Aufnahmen auch so klingen. Man sollte also mehr als bei anderen Lautsprechern mit den eigenen Lieblingsalben prüfen, ob einen der Klang anspricht. Und ich muss in Erinnerung rufen, dass wir eine „unbehandelte“, also eine nicht auf unseren Hörraum und unseren Geschmack angepasste Box vor uns hatten. Besonders viel Freude hatte ich mit der Stimmwiedergabe der Patos, mit ihrer unaufdringlichen Direktheit. Es kommt selten vor, dass man Stimmen und Instrumente so natürlich und authentisch enpfindet. Und so war das den Hörtest abschließende Smashing-Pumpkins-Album „Adore“ dann nochmal ein echter Genuss: Billy Corgans sehr spezielle Stimme wirkte glaubwürdig und echt, das Klavier in dem wunderbar melancholischen Stück „For Martha“ hatte einen beinahe dreidimensionalen Körper, klang voll und doch locker zugleich. Das Stück klang hochemotional und sorgte für wohlige Melancholie.

Fazit

Musik über die Stieb Audio Patos ist ein Erlebnis: Räumlich und emotional, direkt und mitreißend. Alexander Rose-Fehling

Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Stieb Audio Patos

Preis: um 18600 Euroinkl. Lieferung und zwei Terminen · vor Ort zur Anpassung

Ganze Bewertung anzeigen


6/2026
4.5 von 5 Sternen

Referenzklasse
Stieb Audio Patos

Bewertung 
Klang 70%

4.5 von 5 Sternen

Labor 15%

3.5 von 5 Sternen

Praxis 15%

5 von 5 Sternen

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Standlautprecher 
Preis (in Euro) 18.600 Euro inkl. Lieferung und zwei Terminen · vor Ort zur Anpassung 
Vertrieb: Stieb Audio, Otzberg 
Telefon: 0151 15547100 
Internet stieb-audio.de 
Ausstattung
Ausführung Jede RAL-Farbe, Hochglanz gegen Aufpreis 
Abmessungen (B x H x T in mm) 260/1010/337 
Gewicht (in Kg) 28 kg 
Prinzip Breitbänder 
Garantie 3 Jahre 
+ sehr plastischer, emotionaler Klang 
+ belohnt Elektronik- Experimente 
- -sehr teuer 
Klasse Referenzklasse 
Preis/Leistung gut 
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Alexander Rose-Fehling
Autor Alexander Rose-Fehling
Kontakt E-Mail
Datum 15.06.2026, 13:24 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
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