Kategorie: Lautsprecherbausätze

Einzeltest: Klang+Ton-Projekt „Delicata“


Referenz-Kompaktlautsprecher mit TeXtreme und Beryllium

Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 1
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Auf dem Weg zur großen „Männerbox“ habe ich in einen Zwischenhalt gemacht – zu sehr haben mich die Eigenschaften des 16-Zentimeter-Textreme-Chassis gereizt. Das Ergebnis kann vollauf überzeugen.

Ganz ehrlich: Wir haben in den letzten Jahren viele hervorragende Kompaktboxen gebaut. Aber als die neuen Satori-Treiber von SB Acoustics bei uns im Messraum auf dem Tisch lagen, war schnell klar: Hier entsteht etwas Besonderes. Das Ziel war ein Monitor im klassischen Kompakt-Format, der sich vor sündhaft teuren Fertiglautsprechern nicht verstecken muss. Die Kombination aus extrem leichten Carbon-Fasern und einer echten Beryllium-Kalotte versprach ein absolutes Auflösungswunder. Der Clou an der Sache: Wir verwenden hier einen waschechten Mitteltöner. In einem kleinen Bassreflex-Gehäuse verwenden wir ihn als fabelhaften Tiefmitteltöner für kleine Räume und mittlere Pegel.

lautsprecherbausaetze_klang_ton_projekt_delicata_bild_1781792421.jpg2Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 3Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 4Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 5Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 6Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 7Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 8Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 9Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 10Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 11Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 12Lautsprecherbausätze Klang+Ton-Projekt „Delicata“ im Test, Bild 13
Das macht die Delicata zur idealen ersten Ausbaustufe, um ihn später – befreit von der Tieftonarbeit – in einer ausgewachsenen Drei-Wege-Standbox als reinen Mitteltöner brillieren zu lassen.

Technik


Mit dem MR16TX-8 präsentiert SB Acoustics einen hochinteressanten 6,5-Zoll-Treiber aus der edlen Satori-Serie. Der Mitteltöner hat eine hochentwickelte TeXtreme-Membran. Gepaart mit der leichten CCAW-Schwingspule auf einem nichtleitenden Glasfaserträger führt das zu einer extrem geringen bewegten Masse. Aufgrund des optimierten, verzerrungsarmen Neodym-Magnetsystems und der dämpfungsarmen invertierten Gummisicke liegt der Wirkungsgrad des Treibers beachtlich hoch. Auch verläuft der Frequenzgang laut Frequenzgangschrieb über weite Teile sehr linear und ausgewogen. Die Konstrukteure haben mit dem belüfteten Polkern, dem strömungsoptimierten Aluminium-Druckgusskorb und der fortschrittlichen BIMAX-Zentrierspinne offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht. Da der lineare Hub limitiert ist, ist er kein Pegelmonster im Bass, aber für unser Vorhaben ideal – knapp 6 Millimeter Hub sind jetzt auch nicht zu verachten. Als perfekter, weil qualitativ mindestens ebenbürtiger Spielpartner tritt der SB Acoustics SB29BNC-C000-4 auf den Plan. Diese edle Kalotte setzt auf eine Membran aus reinem Beryllium, das eine unerreichte Steifigkeit bei minimalem Gewicht bietet. Der Hochtöner glänzt durch eine niedrige Resonanzfrequenz und einen für diese Klasse unglaublichen Wirkungsgrad. Der extrem kompakte Neodym-Antrieb findet in einem kleinen Gehäuse Platz.

Gehäuse


Aufgrund der Parameter des MR16TX-8 lässt sich der Treiber mit überschaubarem Volumeneinsatz hervorragend in kompakten Bassreflex-Gehäusen einsetzen, um ihm auch ohne Subwoofer ein sattes Fundament zu entlocken. Für das Gehäuse haben wir in die Birken-Multiplex-Kiste gegriffen. Eine extra starke Frontplatte bildet die verwindungssteife Basis für den Tiefmitteltöner. Das restliche Gehäuse wird aus etwas dünnerem Material gefertigt. Eine interne Versteifung sorgt dafür, dass das ohnehin schon kompakte Innenvolumen akustisch absolut tot ist. Die Bassreflexabstimmung erfolgt über das bewährte Visaton BR19.24, das auf der Rückseite hinter dem Hochtöner Platz findet. Mit dem Zeichnen der Fasen an der Frontwand habe ich mich etwas schwer getan – das würde den Bauplan schnell überfrachten – deswegen hier kurz die Vorgehensweise, die sich selbst in der Werkstatt auch nur durch Herantasten verwirklicht habe: Zuerst werden Ober- und Unterkante der Frontplatte mit 45°-Schnitten angefast – etwa 15 Millimeter tief. Danach wird das Sägeblatt der Kreissäge auf einen Winkel von 30° gestellt, der Schiebeschlitten auf 5°. Danach fährt man – vorsichtig! – die auf der Seite liegende Box entlang des Sägeblatts, das für eine solche Arbeit wirklich scharf sein sollte. Die von oben und unten kommenden Fasen sollten sich etwa auf der Mitte des Tieftöners treffen. Eine rundum gleichmäßige breite 45°- Fase oder Verrundung ergeben kaum schlechtere akustische Ergebnisse, lassen sich aber leichter herstellen.

Frequenzweiche


Der MR16TX-8 wird mit einem klassischen Filter zweiter Ordnung sanft aus dem Rennen genommen. Dabei hat mir zunächst einmal der kräftige Baffle Step des Treibers in die Suppe gespuckt, denn dieser liegt bei 20 Zentimetern Schallwandbreite genau an einer Stelle, an der der Treiber von sich aus schon nach einer kleinen Senke wieder an Pegel gewinnt. Nun, da müssen wir durch – die kleine Stufe im Frequenzgang nehmen wir in Kauf, da hier auch schon das Bündelungsverhalten einsetzt.

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Die Membranresonanz liegt zwar schon tief im Pegel, wird aber mit einem Saugkreis zusätzlich glattgezogen. Der Beryllium-Hochtöner wird über einen entsprechenden Hochpass angekoppelt. Die eigentliche „Herausforderung“ lag lediglich darin, den enormen Pegel des SB29BNC passgenau auf den TeXtreme-Tiefmitteltöner einzubremsen.
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Dank der recht niedrigen Resonanzfrequenz und guten Belastbarkeit der Beryllium-Kalotte konnten wir eine sehr tiefe Trennung realisieren. Das führt zu einer mustergültigen Übernahme bei rund 1700 Hertz. Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man im Bereich der Membranresonanz eine kleine Phasenungenauigkeit, die in der Summe eine Schwankung von 0,2 Dezibel ausmacht.

Messungen


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Die Kompaktbox misst sich, wie es sich für ein System dieser Preisklasse gehört: makellos. Der Frequenzgang ist Wege im Mittel linear und ausgewogen. Selbst die kleine Stufe auf dem Baffle Step „wächst sich aus“ unter Winkeln. Die Schwankungsbreite liegt von 100 Hertz bis 20 Kilohertz bei plusminus 1,5 dB! Die untere Grenzfrequenz liegt irgendwo zwischen 50 und 60 Hertz. Die Klirrwerte sind im gesamten nutzbaren Bereich bei niedrigen bis mittleren Pegeln sensationell niedrig. Erst deutlich über 90 Dezibel zeigt der MR16TX-8 im Tiefton, dass er eigentlich ein Mitteltöner ist – für kleine Räume und zivile Pegel ist das jedoch absolut unerheblich. Das Wasserfalldiagramm ist vorbildlich: Hier schwingt nichts nach, die Chassis arbeiten resonanzarm und fehlerfrei.

Klang


Schon bei den ersten Takten frei auf Ständern in unserem Hörraum stehend, macht der Satori-Monitor unmissverständlich klar, in welcher Liga er spielt. Der Bass ist durch das steife Multiplex-Gehäuse und die saubere Reflexabstimmung erstaunlich satt, trocken und konturiert. Wer abgrundtiefe Subbass-Gewitter bei Konzertlautstärken erwartet, muss bedenken: Dies ist ein feinsinniger Monitor für kleine bis mittlere Räume. Aber selbst im großen Raum reicht das Tieftonfundament völlig aus und sorgt für Zufriedenheit.

Aufbauanleitung


Der Aufbau des Gehäuses beginnt auf der liegenden Seitenwand. Auf dieser werden nacheinander der Deckel, der Boden, die Rückwand und die Ringversteifung mit Fugenleim aufgeleimt. Es empfiehlt sich, die Ringversteifung exakt zwischen Tiefmittel- und Hochtöner zu positionieren. Anschließend wird die zweite Seitenwand aufgesetzt und das Gehäuse mit Schraubzwingen verpresst, bis der Leim ausgehärtet ist. Die 24 mm starke Frontplatte wird separat bearbeitet: Hier werden die Ausfräsungen für den MR16TX-8 und den SB29BNC vorgenommen. Auch die Rückwand erhält nun ihre Fräsung für das Anschlussterminal und die Bohrung für das Visaton BR19.24 Reflexrohr. Danach wird die Frontplatte auf den Korpus geleimt. Nach dem Bündigfräsen überstehender Kanten und dem Feinschliff kann das Multiplex-Gehäuse nach Belieben geölt, gewachst oder lackiert werden. Die Weichenbauteile finden auf einem Holzbrettchen Platz, das auf dem Gehäuseboden oder an der Rückwand befestigt wird. Das Gehäuse wird mit Dämpfungsmaterial (z. B. Sonofil) gefüllt, wobei der Bereich direkt hinter dem Tiefmitteltöner und der innere Zugang zum Reflexrohr zwingend frei bleiben müssen. Zum Schluss werden die Treiber angelötet und in der Frontplatte verschraubt. Das Visaton-Rohr wird in die Rückwand gepresst (ggf. mit etwas Dichtband fixieren). Die eigentliche Sensation ist aber die bruchlose Symbiose aus TeXtreme und Beryllium: Die räumliche Ortung und die Detailauflösung im Hochton rauben einem förmlich den Atem. Die Präzision, mit der Atem- oder Anblasgeräusche oder das Ausschwingen von Becken in den Raum gestellt werden, ist phänomenal – und das komplett ohne jede Härte oder künstliche Schärfe. 

Holzliste


Material: 24 mm Multiplex Birke

1 x Front 320 x 200 mm

Material: 18 mm Multiplex Birke

2 x Seiten 320 x 250 mm
2 x Deckel/Boden 250 x 164 mm
1 x Rückwand 284 x 164 mm
1 x Versteifung 232 x 164 mm (als Ringversteifung ausgesägt)

Weichenbestückung


Spulen:

L1: 2,70 mH Luftspule, 1,4 mm Drahtstärke
L2: 0,47 mH Luftspule, 0,7 mm Drahtstärke
L3: 0,33 mH Luftspule, 0,7 mm Drahtstärke

Kondensatoren:

C1: 10,0 µF MKP
C2: 2,20 µF MKP
C3: 4,70 µF MKP

Widerstände:

R1: 1,50 Ohm MOX 10W
R2: 8,20 Ohm MOX 10W

Zubehör pro Box

Schrauben
ReflexrohrVisaton 19.24
2 Matten Sonofil
Kabel
Polklemmen oder Einschlagbuchsen

Lieferant: Soundimports, Lautsprechershop

Fazit

Ein Monitor der absoluten Extraklasse, der Lust auf die spätere Erweiterung zur großen Standbox macht. In meinem deutlich kleineren Hörraum zeigt die Delicata dann absolute Souveränität. Mit einem Hörabstand von knapp 2 Metern auf 16 Quadratmetern Fläche war ich nicht annähernd in der Lage, die Box an die Grenze zu treiben, ohne dass es für mich selbst zu viel geworden wäre. Wie gesagt: In einem kleineren Rahmen braucht man definitiv nicht mehr.


Den Test finden Sie in der Klang&Ton 4/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich
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Kategorie: Lautsprecherbausätze

Produkt: Klang+Ton-Projekt „Delicata“

Preis: um 800 Euro + Gehäuse

6/2026

Ein traumhaft verarbeitetes High-End-Duo, das zu absoluter Höchstform aufläuft und den perfekten Grundstein für ambitionierte Ausbau-Projekte legt.

Klang+Ton-Projekt „Delicata“

6/2026

Klang+Ton-Projekt „Delicata“
HIGH-END-TIPP
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller : SB Acoustics 
Vertrieb: Soundimports, Lautsprechershop 
Internet
Konstruktion: Thomas Schmidt 
Funktionsprinzip: Bassreflex 
Bestückung: 1 x SB Acoustics MR16TX-8, 1 x SB Acoustics SB29BNC-C000-4 
Nennimpedanz (in Ohm): 8 Ohm 
Kennschalldruckpegel 2,83 V/1m: 2,83 V / 1 m: 85dB 
Kosten pro Stück: ca. 800 Euro + Gehäuse 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 19.06.2026, 08:52 Uhr
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